Dinner in the Dark

Essen gehen kann jeder, aber ein Dinner in absoluter Finsternis – das ist bestimmt eine ganz besondere Herausforderung! Eine, der wir uns schon immer stellen wollten. Also  buchten wir im beschaulichen Bensheim-Auerbach in der urigen Poststuben ein „Dinner in the Dark“.

Versprochen wurde ein Essen im Dunkeln, und gerade als wir uns noch sorglos zu dieser kulinarischen Sinneserfahrung aufmachten, stiegen leichte Bedenken auf. Hätten wir uns vorbereiten sollen? Wären Trockenübungen mit Besteck in den Händen und geschlossenen Augen ratsam gewesen? Was ist, wenn wir etwas fallen lassen? Etwas kaputt geht? Jemand Panik bekommt? So komplett im Dunkeln? Müßig sich kurz vor dem Sprung ins kalte Wasser Sorgen zu machen. Außerdem überwog sowieso die gespannte Vorfreude auf etwas völlig Unbekanntes.

Die Poststuben. Sympathischer Austragungsort für ein Dinner in the Dark

In der Poststuben angekommen wurden wir sehr herzlich empfangen, in die im Kerzenlicht beschimmerten Schloßbergstube geleitet und sehr freundlich zum schon schummrigen Tisch gebracht. Noch konnten wir den durch Kerzen erleuchteten Raum erkennen, uns am Tisch orientieren, das Besteck richten, Gläser positionieren und Handbewegungen einstudieren. Spannend.

Schummriges Ambiente

Um die Speiseauswahl mussten wir uns ja keine Sorgen machen, da alle Gäste schon im Vorfeld ihr 3-Gänge-Menü als Fleisch, Fisch oder vegetarisch vorbestellen mussten. Der Rest ist unbekannt. Auch sehr spannend – besonders, wenn man das Restaurant noch nie im regulären Betrieb besucht hatte. Es geht ja gerade darum, zu erschmecken, was man da so auf dem Teller hat. Kurz bevor das Licht ausgehen sollte, übten wir noch schnell, den in Karaffen gereichten Wein mit Finger im Glas selbst auszuschenken.  Auch die Gäste an den weiteren vier besetzten Tischen nutzten die Zeit vor dem spannenden Moment der Dunkelheit für diverse kleine Übungen.

Das letzte Licht bevor es dunkel wird…

Dann wurde die „Lichtschleuse“, die den übrigen Restaurantbereich von der Schlossbergstube trennte, verdunkelt. Eine freundliche Dame trat durch den schweren Vorhang und führte an das Besondere dieses Dinners heran. Sie erklärte detailliert das Procedere, und mit ihrem letzten Hinweis erlosch dann auch das letzte Kerzenlicht. Absolute Dunkelheit. Krass. Aber weniger beängstigend, als anfänglich erwartet.

Und das, obwohl sich noch nicht einmal ein Licht erahnen ließ. Nichts. Gott sei Dank waren wir schon bestens vorbereitet. Die Serviette lag auf dem Schoß, die Finger hatten das Besteck im Griff und die „Wein-Nachfüll-Moves“ waren inzwischen optimiert. Dann kam der erste Gang von dem, mit Nachtsichtgeräten ausgestatteten, Service.

Antipasti-Teller

Der Teller war schnell gefunden. Aber was jetzt? Mit Besteck? Keine Chance. Wir mussten doch wissen, was wir essen. Also: Hände vor, tasten und zaghaft probieren.  Ganz eindeutig handelte es sich um einen Antipasti-Teller mit vielen unterschiedlichen Komponenten, die wir erst nur vorsichtig mit Fingern, dann auch mal mit Gabel oder Messer zu Munde führten. Salat wurde ertastet, Honigmelone erschmeckt, Serrano-Schinken blind genossen. Aber Messer und Gabel gleichzeitig? Fast keine Chance. Dank der schützenden Dunkelheit konzentrierte man sich schnell auf die wesentliche Essensaufnahme und ließ gelernte Etikette pragmatisch Links liegen. Sieht ja keiner.

Hähnchenbrust mit Herzoginkartoffeln auf Ratatouille

Die Hauptspeise wurde ähnlich umgesetzt, wie man es sich in der Vorspeise angeeignet hatte. Tasten, fühlen, schmecken, erkennen. Die letzten Hemmungen, die Hände als zusätzliches Speise-Werkzeug zu benutzen waren gefallen und schnell war der zweite Gang erschmeckte und genossen. Bei Fleischgericht die Hühnchenbrust mit den Herzoginkartoffeln und bei der vegetarischen Alternative ein feines Thai-Gemüse-Curry mit einem lustigen Berg Basmati Reis in der Mitte. Lustig der Haptik wegen.

Fruchtiger Nachtisch

Der Nachtisch voller fruchtiger Geschmäcker wurde dann mit Löffel und Fingern bewältigt und auch der letzte Schluck Wein sicher an sein Ziel gebracht.

Ein überaus unterhaltsamer Abend ist dieses „Dinner in the Dark“ auch wenn hier die kulinarische Messlatte nicht sehr hoch gehalten wird. Aber darum geht es bei diesem einmaligem Erlebnis vielleicht oder gerade deswegen nicht. Vielmehr soll bei dem Event Bekanntes neu entdeckt werden. So wird der Gast in der Poststuben auf sehr sympathische Art auf eine kleine, aufregende Reise voller Tasten, Riechen und Schmecken mitgenommen.

Schloßstraße 28 – 32, 64625 Bensheim-Auerbach, 06251-59620

https://poststuben.de/dinner-in-the-dark.html

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